Wie gelingt der Wandel zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft? Zu dieser Frage forscht Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie GmbH. Bevor er uns auf dem Jugendkongress „Zukunft selber machen! Junge Ideen für Nachhaltigkeit“ seine persönliche „Nachhaltigkeitsgeschichte“ erzählte, stand er dem Vorbereitungsteam Rede und Antwort.

Uwe Schneidewind berichtet auf dem Jugendkongress ZSM, wie er vom BWL-Studium zur Nachhaltigkeit kam. Foto: Deutsche Bundesstiftung Umwelt/Michael Münch.
Uwe Schneidewind berichtet auf dem Jugendkongress ZSM, wie er vom BWL-Studium zur Nachhaltigkeit kam. Foto: Deutsche Bundesstiftung Umwelt/Michael Münch.

„Nachhaltigkeit“, was bedeutet dieser Begriff eigentlich aus Ihrer Sicht?

Uwe Schneidewind: Mich hat hier früh Jürg Minsch in St. Gallen inspiriert: Er macht deutlich, dass es bei Nachhaltigkeit im Kern um eine Erweiterung der Idee der Menschenrechte geht, um die Frage, wie wir als Menschen gerecht miteinander umgehen: sowohl mit Menschen, die in ganz anderen Teilen dieser Welt leben, als auch mit Menschen, die erst in 100 oder mehr Jahren geboren werden. Der sorgsame Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen ist dann eine Chiffre für die Art des menschlichen Umgangs miteinander.

„Damit gutes Leben einfacher wird“ heißt eines der Bücher, die Sie veröffentlicht haben. Was hat „das gute Leben“ mit Nachhaltigkeit zu tun?

Schneidewind: Gutes Leben hat sehr viel mit Nachhaltigkeit zu tun: Um 9 oder evtl. sogar 11 Milliarden Menschen auf dieser Welt ein gutes Leben innerhalb der ökologischen Grenzen zu ermöglichen, brauchen wir nicht nur neue Technologien, sondern auch ein neues Verständnis darüber, was Wohlstand jenseits materieller Errungenschaften eigentlich ausmacht. Darum geht es in dem Buch und um die Frage, was Politik eigentlich tun muss, um genügsame Lebensstile und alternativen Wohlstand zu ermöglichen.

Nachhaltigkeit fängt ja – wie so häufig gesagt wird – bei jedem Einzelnen an. Was sollte die Politik dafür tun, damit das dem Einzelnen leichter fällt?

Schneidewind: In unserem Buch „Damit gutes Leben einfacher wird“ machen wir mit Angelika Zahrnt dazu viele Vorschläge. Es geht um Ermöglichungspolitik: Fahrradstraßen, ökologisch gerechte Preise, neue Wohnformen, vermehrte Angebote für Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement, eine Verbraucherpolitik, die neue Lebensstile fördert – all das sind Beispiele für eine „Suffizienzpolitik“, wie wir sie im Buch fordern.

Sehen Sie in Deutschland schon Tendenzen in die richtige Richtung oder sind die Politiker auf dem Holzweg?

Schneidewind: Auf kommunaler Ebene sind einige vielversprechende Ansätze zu erkennen. Auf Bundesebene ist alles noch sehr zäh. Die Art und Weise, wie über die gute Idee eines Veggie-Days diskutiert wurde, hat das sehr deutlich gemacht. Und auch allgemein hängen alle Parteien immer noch an einem sehr engen Verständnis von ökonomischen Wirtschaftswachstum.

Das Interview führte Carl Frederick Luthin.
Veröffentlicht auch auf www.zsm-2015.de.

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